LOST SOUNDS

MEMORIES & NEW VOICES

180

Musikwerke

55

Jahre Musik

181

Illustrationen

2026

Erscheinungsjahr

Verloren, übersehen, ignoriert

Die Musikwelt ist groß und vielfältig. Dennoch werden Radio und Streamingdienste von einem engen Mainstream geprägt. Unzählige außergewöhnliche Künstler bleiben unbeachtet, weil ihr Schaffen nicht den Mechanismen des Massenmarkts entspricht.

Abseits der Charts existiert eine Schatzkammer aus Musik, die bewegt, überrascht und herausfordert. Viele Werke geraten in Vergessenheit, obwohl sie das Potenzial besitzen, dauerhaft nachzuwirken.

Viele Favoriten wie The Smiths, The Clash oder Blur fehlen in der Auswahl. Das liegt an ihrer Allgegenwart, nicht an mangelnder Relevanz. Ihre Ästhetik hat mich fundamental beeinflusst, gehört heute aber zum kollektiven Erbe.

Georg Bernardini

Der Aufbau der Trilogie

Jeder Band steht für eine Phase — biografisch, ästhetisch und innerlich.

Band I

Schattenperiode

Kapitel 1–60. Diese Phase erzählt von den ersten musikalischen Prägungen, wichtigen Begegnungen und der Entdeckung neuer Klangwelten. Der Weg führt vom Mainstream in die Subkulturen der 1980er Jahre. Als Konzept war das nie geplant. Es entstand Schritt für Schritt.

Unter anderem: Post-Punk · Cold Wave · New Wave · Industrial · Singer-Songwriter

Band II

Schattengrenze

Kapitel 61–120. Die musikalische Heimat bleibt erkennbar. Gleichzeitig wächst die Bereitschaft, neue Wege einzuschlagen und ungewohnten Stimmen zu folgen. Vertrautes und Unbekanntes stehen zunehmend gleichberechtigt nebeneinander.

Band III

Grenzrauschen

Die musikalische Reise richtet sich stärker in die Gegenwart. Neue Entdeckungen ergänzen langjährige Wegbegleiter und erweitern den Blick auf Musik erneut. Stilistische Grenzen treten in den Hintergrund, Neugier und Offenheit gewinnen an Bedeutung.

Unter anderem: Post Punk, Britpop, Gothic Rock, Shoegaze, Art Rock und Electronica

Unter anderem: Post-Punk, Indie Rock, Art Pop, Singer-Songwriter und vieles mehr

Eine Auswahl der vertretenen Künstler

Manset · Gang of Four · The Opposition · X-O-Dus · The Sound · Depeche Mode · Tabu · The Chameleons · Chris & Cosey · Die Werkpiloten · The Mask · Die Form · Mick Karn · à;GRUMH · Wolfgang Press

Toyah · Carter USM · The House of Love · Dominique A · Nymphs · Daniel Johnston · Denim · Epic Soundtrack · Goethes Erben · Madrugada · The Cure · Ajico · Archive · Carolin No · Gaelle · SoKo · Anna Ternheim

Peter Heppner · Birdy Nam Nam · Anika · Clair Obscur · Dead Man's Bones · Poliça · Erland & The Carnival · Wu Lyf · Caligola · Aldous Harding · hi-ker · Jo Stöckholzer· The 113 · Fat Dog · Big Special · Bambara

Band I

Band II

Band III

Schattenperiode

Schattengrenze

Grenzrauschen

Alles begann in einer monotonen Klanglandschaft. Bei uns zu Hause lief meist nur das Radio im Hintergrund. Interpreten wie die Bee Gees, ABBA, Elton John und Rod Stewart dominierten die Hitparaden und das Rundfunkprogramm.

Ihre Werke zählen inzwischen zu den Oldies, die in spezialisierten Hörfunk­sendern fest verankert sind. Beim Autofahren schalte ich gelegentlich dorthin, denn sie übertreffen die Qualität des heutigen Einheitsbreis bei Weitem.

Die Begeisterung für Pop und Rock setzte bereits Mitte der 1970er ein, also noch in meiner Kindheit. Einige Größen jener Zeit hinterließen bei mir einen blei­benden Eindruck. In den frühen 1980ern entwickelte sich ein bewussteres Interesse, verbunden mit dem Wunsch nach einem eigenen Geschmack.

Ab 1986 suchte ich gezielt ungewöhnliche Klänge, die überraschten und Gren­zen überschritten. Die alternative Szene definierte sich damals klar gegen den Mainstream. In dieser Phase öffnete sich eine Welt, in der fremde Töne eine ungeahnte Intensität freilegten.

Exuma gehörte zu diesen Entdeckungen. Hinter dem Namen stand Macfarlane Gregory Anthony Mackey († 25. Januar 1997). Er vereinte afrokaribische Kultur, rituelle Gesänge und politische Botschaften.

Gemeinsam mit seiner Partnerin Sally O’Brien und wegbegleitenden Musikern entstand ein eigener Sound, bekannt als Junk Band. Der Stil wurzelt in den bahamaischen Junkanoo-Umzügen, einem farbenfrohen Straßenkarneval mit Trommeln, Rasseln und improvisierten Instrumenten. Obwohl Mackey die treibende Kraft blieb, handelte es sich um ein kollektives Unterfangen, das häufig fälschlich als Soloprojekt wahrgenommen wurde.

Als anerkannter Maler und bildender Künstler entwarf er die Cover seiner wichtigsten Alben selbst, was sich in seinem mystischen Kosmos widerspiegelt. Neben Komposition und Auftreten prägte er das Bild des charismatischen Schamanen mit expressiver Ausstrahlung.

Leseprobe Persönlicher Bezug & Hintergründe

1

Exuma

DAMBALA

Bahamas • 1970

»Dambala« bricht los wie ein düsteres Ritual aus Beschwörung und lodernder Wut. Die Sprache ist roh und unnachgiebig. Verhandelt werden Leid und der Preis für Ausbeutung.

Bring the trumpets from heaven and the fire from hell“ formuliert den Auftakt als Befehl. Heiliges und Abgründiges treten gleichzeitig hervor.

Then nobody can break the spell“ etabliert einen Zustand ohne Ausweg.

You slavers will know what it’s like to be a slave“ richtet den Rollentausch gegen die Täter.

You won’t go to heaven“, you won’t go to hell“ verwehren jede Form von Erlösung.

Oh Dambala, come Dambala“ bringt die Anrufung auf den Punkt. Die Wieder­holung verdichtet den rituellen Charakter.

Rhythmische Reduktion und Askese bestimmen das Zeremoniell. Vorwärts­drängende Perkussion, minimalistische Saiten und archaische Chöre bilden das Fundament.

Exuma pendelt zwischen raunendem Rezitativ und eruptiven Ausbrüchen, wodurch die Intensität permanent unter Strom gehalten wird. Die Spannung reißt nicht ab.

Ein Gesetz hat epochenübergreifend Bestand: Macht trägt den Keim der Vergel­tung. Wer von systematischer Knechtung profitiert, entkommt der Kon­sequenz nicht. Die Logik mündet in ein zeitloses Manifest gegen zer­störerische Mecha­nismen menschlicher Gesellschaften.

Leseprobe Resonanz und Quellen & Fakten

Bring the trumpet from heaven
And the fire from hell
Then nobody can break the spell…
You slavers will know what it′s like to be a slave…
You won’t go to heaven
You won’t go to hell…
Oh Dambala, come Dambala

Credits & Fakten

Komposition & Text: Farlin Mac Kay
Originalverlag: Firesky-Music Inc
Textquelle: genius.com/Exuma-dambala-lyrics
Erstveröffentlichung: »Exuma« (Album)
Spotify-Streams: 1.154.450
Charts: unbekannt
Bild: Georg

Das visuelle Konzept

›Lost Sounds‹ wird von einem visuellen Konzept eingefasst, das in enger Zusammenarbeit mit Ramona reifte. In der gestalterischen Umsetzung war sie eine unverzichtbare Partnerin, von der Konzeption bis zur kreativen Finalisierung.

Jedes Musikstück erhielt eine eigenständige Illustration. Manche Motive entstanden unmittelbar aus dem Hören, andere entwickelten sich erst nach längerer Auseinandersetzung mit Musik und Text. Nicht jede Deutung sollte eindeutig ausfallen. Offenheit und Intuition waren wichtige Bestandteile des kreativen Prozesses und prägten die Bildwelt der Trilogie.

Das Buch zum Hören

Band I enthält einen QR-Code, der zum YouTube-Kanal des Buchprojekts führt. Die Inhalte sind entsprechend den drei Bänden gegliedert. Für jeden Band stehen Playlists mit den behandelten Musikstücken sowie ergänzend erwähnten Titeln bereit. Band III enthält darüber hinaus weitere thematische Zusammenstellungen.

Alle Playlists folgen der Chronologie der Kapitel und erweitern die Trilogie um eine akustische Ebene. Ein Hören in dieser Reihenfolge bewahrt jene Überraschungen und Entdeckungen, die auch den Weg durch die Trilogie prägen.