Leseprobe Kapitel 1

Exuma - Dambala

Persönlicher Bezug & Hintergründe

Alles begann in einer monotonen Klanglandschaft. Bei uns zu Hause lief meist nur das Radio im Hintergrund. Interpreten wie die Bee Gees, ABBA, Elton John und Rod Stewart dominierten die Hitparaden und das Rundfunkprogramm.

Ihre Werke zählen inzwischen zu den Oldies, die in spezialisierten Hörfunksendern fest verankert sind. Beim Autofahren schalte ich gelegentlich dorthin, denn sie übertreffen die Qualität des heutigen Einheitsbreis bei Weitem.

Die Begeisterung für Pop und Rock setzte bereits Mitte der 1970er ein, also noch in meiner Kindheit. Einige Größen jener Zeit hinterließen bei mir einen blei­benden Eindruck. In den frühen 1980ern entwickelte sich ein bewussteres Interesse, verbunden mit dem Wunsch nach einem eigenen Geschmack.

Ab 1986 suchte ich gezielt ungewöhnliche Klänge, die überraschten und Grenzen überschritten. Die alternative Szene definierte sich damals klar gegen den Mainstream. In dieser Phase öffnete sich eine Welt, in der fremde Töne eine ungeahnte Intensität freilegten.

Exuma gehörte zu diesen Entdeckungen. Hinter dem Namen stand Macfarlane Gregory Anthony Mackey († 25. Januar 1997). Er vereinte afrokaribische Kultur, rituelle Gesänge und politische Botschaften.

Gemeinsam mit seiner Partnerin Sally O’Brien und wegbegleitenden Musikern entstand ein eigener Sound, bekannt als Junk Band. Der Stil wurzelt in den bahamaischen Junkanoo-Umzügen, einem farbenfrohen Straßenkarneval mit Trommeln, Rasseln und improvisierten Instrumenten. Obwohl Mackey die treibende Kraft blieb, handelte es sich um ein kollektives Unterfangen, das häufig fälschlich als Soloprojekt wahrgenommen wurde.

Als anerkannter Maler und bildender Künstler entwarf er die Cover seiner wichtigsten Alben selbst, was sich in seinem mystischen Kosmos widerspiegelt. Neben Komposition und Auftreten prägte er das Bild des charismatischen Schamanen mit expressiver Ausstrahlung.

1

Bahamas • 1970

DAMBALA

Exuma

Resonanz

»Dambala« bricht los wie ein düsteres Ritual aus Beschwörung und lodernder Wut. Die Sprache ist roh und unnachgiebig. Verhandelt werden Leid und der Preis für Ausbeutung.

Bring the trumpets from heaven and the fire from hell“ formuliert den Auftakt als Befehl. Heiliges und Abgründiges treten gleichzeitig hervor.

Then nobody can break the spell“ etabliert einen Zustand ohne Ausweg.

You slavers will know what it’s like to be a slave“ richtet den Rollentausch gegen die Täter.

You won’t go to heaven“, you won’t go to hell“ verwehren jede Form von Erlösung.

Oh Dambala, come Dambala“ bringt die Anrufung auf den Punkt. Die Wiederholung verdichtet den rituellen Charakter.

Rhythmische Reduktion und Askese bestimmen das Zeremoniell. Vorwärtsdrängende Perkussion, minimalistische Saiten und archaische Chöre bilden das Fundament.

Exuma pendelt zwischen raunendem Rezitativ und eruptiven Ausbrüchen, wodurch die Intensität permanent unter Strom gehalten wird. Die Spannung reißt nicht ab.


Ein Gesetz hat epochenübergreifend Bestand: Macht trägt den Keim der Vergel­tung. Wer von systematischer Knechtung profitiert, entkommt der Konsequenz nicht. Die Logik mündet in ein zeitloses Manifest gegen zerstörerische Mecha­nismen menschlicher Gesellschaften.

Bring the trumpet from heaven
And the fire from hell
Then nobody can break the spell…
You slavers will know what it′s like to
be a slave…
You won’t go to heaven
You won’t go to hell…
Oh Dambala, come Dambala

Credits & Fakten
Komposition & Text:
Originalverlag:
Textquelle:
Erstveröffentlichung:
Spotify-Streams:
Charts:
Bild:

Farlin Mac Kay
Firesky-Music Inc
genius.com/Exuma-dambala-lyrics
»Exuma« (Album)
1.154.450
unbekannt
Georg

Bild: Siegel des Zorns
Die Schlange legt sich um den Schädel wie eine unwiderrufliche Bindung. Schuld und Gewalt
formen einen Kreis, der sich unauflösbar schließt.

Klangbild